Vortrag: Professionelle Amnesie? Antisemitismus in der Sozialen Arbeit

Die Soziale Arbeit bezeichnet sich selbst als Menschenrechtsprofession. Das positive Selbstbild, festgeschrieben in zahlreichen (internationalen) berufsethischen Grundlagenpapieren, zieht sich vom ersten Tag des Studiums bis weit in die Berufspraxis: Sozialarbeiter_innen setzen sich für soziale Gerechtigkeit ein, stehen für Intersektionalität und Antidiskriminierung. Allerdings wird es merkwürdig still, wenn es um das Thema Antisemitismus geht. Tatsächlich gibt es wohl kaum einen anderen Berufsstand, welcher sich so hartnäckig der Auseinandersetzung mit Antisemitismus verweigert, obwohl dieser als Problem in fast allen Arbeitsfeldern präsent ist.
Der Vortrag wirft einen Blick auf jene ‚professionelle Amnesie‘ der Sozialen Arbeit, zu welcher nicht nur die Auslöschung der Erinnerung an jüdische Traditionslinien in Forschung, Theorieentwicklung und Praxis gehören, sondern auch eine bis heute nie aufgearbeitete institutionelle Gewaltgeschichte des Antisemitismus in der Sozialen Arbeit.
Unser Referent: Tim Ernst (M.A.) ist Sozialarbeiter und forscht im Rahmen seines Promotionsprojekts am Promotionskolleg NRW zur Ausbildungs- und Berufsgeschichte der Sozialen Arbeit im Nationalsozialismus. Er ist Research Fellow am Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS) an der Katholischen Hochschule NRW (Standort Aachen) und Promotionsstipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES).
Zwischen dem 26.10. und dem 22.11.2026 veranstalten wir die Wochen gegen Antisemitismus im Volin. Die Veranstaltungsreihe findet im Rahmen der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus 2026 statt.
